Ein langgestrecktes Prisma auf einer Hochebene, das Wohnzimmer zur Südveranda geöffnet, ein Infinity-Pool und 180 Grad Mittelmeer vor Augen. Das Grundstück der Casa Punta Lara misst 530 m², liegt erhöht über der Straße und ist ringsum von einer steilen Böschung umgeben. Der Auftrag an Klic Arquitectos lautete: ein Einfamilienhaus in Nerja für einen privaten Bauherrn, der in Eigenregie baut. Und das erste Problem war nicht das Haus, sondern die Höhe zu erreichen, auf der es stehen konnte. Die Antwort liegt unter der Erde.
Erst die Böschung, dann das Haus
Der Großteil des Grundstücks liegt auf einer leicht nach Süden abfallenden Hochebene, erhöht über der angrenzenden Straße. Der Höhenunterschied rund um das Grundstück musste gelöst werden, bevor auch nur eine Linie gezeichnet wurde. Der Fußweg führt über eine Treppe von der Westgrenze hinauf; an derselben Grundstücksgrenze liegt die Garageneinfahrt, die im Inneren mit dem Lagerraum im Untergeschoss verbunden ist. Zwei Zugänge auf zwei verschiedenen Höhen, an ein und derselben Grenze.
Bevor über die Gründung entschieden wurde, gab es ein geotechnisches Gutachten des Grundstücks vom März 2018. Auf dem Grundstück und in seiner Umgebung stehen Schiefer und Gneis an: ein tragfähiges Felsmassiv mit einer zulässigen Bodenpressung von 4,0 kg/cm² und einem Mindestsicherheitsfaktor für die Hangstabilität von FS = 9,0. Mit diesem Fels im Untergrund standen ausgesteifte Einzelfundamente oder eine bewehrte Bodenplatte zur Wahl. Wir entschieden uns für die ausgesteiften Einzelfundamente, die die Stützmauern und die Stahlbetonstützen tragen; die Bodenplatte wäre eine praktikable Alternative gewesen, war aber nicht notwendig.
Der Höhenunterschied wird zum Untergeschoss
Unterhalb der Ebene des Hauses sieht das Projekt ein Untergeschoss von 183,20 m² vor: Garage mit 73,77 m², Lagerraum mit 65,65 m², Technikraum für den Pool mit 15,22 m² und die Treppe. Es geht nicht um zusätzliche Fläche. Es ist das Element, das den Höhenunterschied aufnimmt und dem Haus erlaubt, auf einer ebenen Fläche zu stehen, ohne das halbe Grundstück zu terrassieren.
Darüber erhebt sich der Baukörper als langgestrecktes Prisma mit einer angebauten Veranda von 37,56 m² Nutzfläche. Die Hauptfassade ist nach Süden ausgerichtet, mit mäßiger Abweichung nach Westen, und diese Setzung beantwortet drei Dinge zugleich: die Morphologie und Topografie des Grundstücks, die Vorgaben der Einstufung UAS-2 im PGOU (Flächennutzungsplan) von Nerja – endgültig genehmigt im Juni 1999 – und die Suche nach guter Ausrichtung und Aussicht. Innen bilden Wohnzimmer, Essbereich und Küche einen einzigen durchgehenden Raum von 26,01 m² plus 13,42 m² Küche, offen zur Südveranda. Das Raumprogramm umfasst vier Schlafzimmer, das Hauptschlafzimmer mit 16,32 m², und ein kleiner Treppenaufbau schließt das Treppenhaus ab und erschließt die Dachterrasse mit Sonnendeck und dem Infinity-Pool mit Blick aufs Meer.
Gebäudehülle, Tragwerk und Energie
Oberhalb der Geländeoberkante besteht das Tragwerk aus Stahlbetonstützen mit einachsig gespannten Stahlbetondecken in allen drei Geschossdecken. Die Außenwand besteht aus einer äußeren Schale aus Lochziegeln mit außenliegender Dämmung – witterungsbeständige XPS-Platten, im Zertifizierungsmodell als WDVS mit 7 cm geführt – und innen aus einer doppelten Hohlziegelwand mit Gipskartonbeplankung. Außen zu dämmen bedeutet mehr Bauaufwand, beseitigt aber die Wärmebrücken, die sich später nicht mehr beheben lassen.
Die Decken sind als revisionierbare abgehängte Decken aus Gipskartonplatten ausgeführt, damit die Installationen verdeckt verlaufen und dennoch zugänglich bleiben; in Feuchträumen mit weiß vinylbeschichteten Platten im Format 60×60 cm. Die Haustechnik wurde im eigenen Büro in 3D modelliert, ohne die Fachplanung auszulagern. Der Energieausweis des Projekts (März 2019, Klimazone B3) weist 38,17 kWh/m²·Jahr nicht erneuerbare Primärenergie und 6,49 kg CO2/m²·Jahr aus.
Vom Kammervisum zur Baugenehmigung
Das Projekt erhielt in zwei Schritten das Visum der Architektenkammer (Colegio de Arquitectos de Málaga): zuerst die Entwurfsplanung (Proyecto Básico), danach die überarbeitete Entwurfsplanung zusammen mit der Ausführungsplanung – dazwischen lag die Stellungnahme der Gemeinde Nerja zur Entwurfsplanung. Die Gemeinde forderte Unterlagen zu den Erschließungsanlagen an; daraufhin wurden der entsprechende Antrag und die Bürgschaft eingereicht, die unterschrieben in der Akte liegen.
Wir erzählen das, weil es zum Handwerk gehört: Zwischen einem visierten Projekt und einer erteilten Baugenehmigung kann mehr Zeit vergehen als für den Entwurf des Hauses – und das sollte man wissen, bevor man sich auf einen Zeitplan festlegt.
Galerie


Projektdaten
- Typologie: Freistehendes Einfamilienhaus, Neubau
- Nutzung: Wohnen (Einfamilienhaus)
- Lage: Punta Lara, Nerja (Málaga, Andalusien)
- Einheiten: 1 Wohneinheit
- Auftraggeber: Privatperson als Bauherr in Eigenregie
- Planungszeitraum: 2018–2019
- Grundstücksfläche: 530 m²
- Bebaute Fläche: 203 + 183 m² (Erdgeschoss + Obergeschoss)
- Untergeschoss: 183,20 m²: Garage 73,77 m², Lagerraum 65,65 m², Pool-Technikraum 15,22 m² und Treppe 8,17 m²
- Terrassen: 70 m²
- Raumprogramm: 4 Schlafzimmer, 2 Bäder, Wohn- und Essbereich, Küche, überdachte Garage für 3 Autos, Sonnendeck auf dem Dach und Infinity-Pool von 8 × 4 m
- Ausrichtung: Süden und Westen, mit 180°-Blick auf das Mittelmeer
- Planungsrecht: PGOU von Nerja (endgültige Genehmigung Juni 1999); Grundstück mit Einstufung UAS-2, freistehendes Einfamilienhaus Typ 2
- Tragwerk: Flachgründung mit ausgesteiften Einzelfundamenten auf Felsuntergrund (zulässige Bodenpressung 4,0 kg/cm²), Stützmauern und Stahlbetonstützen sowie einachsig gespannte Decken in den drei Geschossdecken oberhalb der Geländeoberkante
- Haustechnikplanung: MEP-Modellierung in 3D, intern durch das eigene Büro
- Geotechnisches Gutachten: José Luis Clavero Toledo (Málaga, März 2018)
- Visualisierungen: Eigene Renderings und Visualisierungen des Büros
- Leistungen von Klic: Entwurfsplanung, Ausführungsplanung, grundlegendes Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzept, Energieausweis des Projekts sowie Abwicklung von Kammervisum und Baugenehmigung. Die Projektbeschreibung benennt beide Architekten für die Bauleitung und die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination
- Team: Juan Alejandro Goñi Uriarte (Kammer-Nr. 1.206, COA Málaga) und Ruth Buján Varela (Kammer-Nr. 1.333, COA Málaga)
- Architekturbüro: Klic Arquitectos (Málaga)
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